Pressekonferenz: SWB äußert sich zur aktuellen Bahn-Situation
Die SWB Bus und Bahn arbeitet weiter mit Hochdruck an der Untersuchung ihrer vorübergehend aus dem Verkehr gezogenen Stadtbahnen. Bei einem Pressegespräch betonten die Verantwortlichen, dass die Fahrzeuge vorsorglich aus dem Betrieb genommen wurden und die Sicherheit der Fahrgäste an erster Stelle stehe.
Nach Angaben der SWB werden derzeit verschiedene Bauteile und technische Auffälligkeiten untersucht. Gemeinsam mit Gutachtern und den zuständigen Aufsichtsbehörden soll daraus ein Prüfkonzept entstehen. Sobald dieses freigegeben ist, können die kontrollierten Fahrzeuge Stück für Stück wieder in den Betrieb zurückkehren.
Einen konkreten Termin, ab wann wieder alle Bahnen fahren können, nannte die SWB allerdings nicht. Die Untersuchungen liefen rund um die Uhr und würden fortlaufend neue Erkenntnisse liefern. Dadurch könnten Prüfpläne und Maßnahmen jederzeit angepasst oder erweitert werden.
Keine Hinweise auf defekte Bremsen oder Räder
Die SWB machte deutlich, dass der Begriff „Mängel“ nicht automatisch bedeute, dass schwere technische Schäden vorliegen. Vielmehr gehe es teilweise um Auffälligkeiten, deren Bedeutung zunächst genauer geprüft werden müsse.
Dabei kommen unter anderem zerstörungsfreie Prüfverfahren wie Ultraschalluntersuchungen zum Einsatz. Solche Untersuchungen seien in der Branche üblich und würden auch bei der SWB regelmäßig durchgeführt.
Auch Meldungen über möglicherweise defekte Bremsen oder Räder wurden relativiert. Die Fahrzeuge verfügten über mehrere technische Komponenten und Sicherheitsebenen, die im Zusammenspiel bewertet werden müssten. Vor jeder Ausfahrt werde zudem eine Bremsprobe durchgeführt.
KVB-Bahnen halten den Verkehr in Bonn aufrecht
Für die schnelle Unterstützung durch die Kölner Verkehrs-Betriebe bedankte sich die SWB ausdrücklich. Nachdem am Montagmittag feststand, dass zusätzliche Fahrzeuge benötigt werden, trafen die letzten Bahnen aus Köln bereits in der folgenden Nacht in Bonn ein.
Damit die Kölner Fahrzeuge im Bonner Netz eingesetzt werden konnten, mussten unter anderem Funksysteme, Anzeigen und betriebliche Daten angepasst werden. Möglich war der schnelle Einsatz vor allem deshalb, weil die Fahrzeuge weitgehend baugleich sind und die Bonner Fahrer bereits für diesen Fahrzeugtyp ausgebildet wurden.
Die Unterstützung durch die KVB ist zunächst bis kurz vor den Kölner Lichtern vorgesehen. Für die Veranstaltung benötigt Köln einen Teil seiner Fahrzeuge selbst. SWB und KVB befinden sich nach eigenen Angaben bereits in Gesprächen darüber, wie die Unterstützung anschließend fortgesetzt werden kann.
Neue Bahnen kommen frühestens Ende 2028 in den Fahrgastbetrieb
Parallel zur aktuellen Untersuchung wartet die SWB auf neue Stadtbahnen des spanischen Herstellers CAF. Ein erster Prototyp soll voraussichtlich Anfang 2027 in Bonn eintreffen.
Bis Fahrgäste die neuen Bahnen nutzen können, wird es allerdings noch dauern. Nach der Lieferung folgen umfangreiche Tests, technische Prüfungen und Zulassungsverfahren bei zwei verschiedenen Behörden. Die SWB rechnet deshalb frühestens Ende 2028 mit einem Einsatz der neuen Fahrzeuge im regulären Fahrgastbetrieb.
Bis dahin müssen große Teile der bestehenden Flotte weiterbetrieben werden. Einige der eingesetzten Stadtbahnen stammen aus den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren. Die älteren Fahrzeuge sollen deshalb besonders intensiv untersucht und bis zur Ankunft der neuen Bahnen technisch abgesichert werden.
Aufsichtsrat fordert vollständige Aufklärung
Auch die Aufsichtsräte des SWB-Konzerns und von SWB Bus und Bahn beschäftigen sich mit der Situation. Für die kommende Woche wurde eine gemeinsame Sondersitzung angekündigt.
Dabei sollen die Ursachen, bisherige Entscheidungsabläufe und der weitere Untersuchungsprozess aufgearbeitet werden. Über mögliche Verantwortlichkeiten wollen die Beteiligten erst sprechen, wenn die technischen Untersuchungsergebnisse vorliegen.
Fest steht damit aktuell: Die Bonner Bahnen bleiben so lange außer Betrieb, bis ihre Sicherheit eindeutig bestätigt wurde. Einzelne Fahrzeuge könnten nach Abschluss der Prüfungen schrittweise zurückkehren. Einen verbindlichen Zeitplan gibt es bislang nicht.
