Kölner Unternehmer gibt freier Kulturszene zehn Millionen Euro

© Raimond Spekking

Zehn Millionen Euro für Kölns freie Kulturszene: Der Kölner Unternehmer Frank Blase hat eine ungewöhnlich langfristige Unterstützung angekündigt.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren sollen jedes Jahr eine Million Euro in den städtischen Fonds für Darstellende Künste fließen.

Blase will dabei nach eigener Aussage nicht selbst entscheiden, welche Künstler oder Produktionen gefördert werden. Die Vergabe soll weiterhin unabhängig über die vorhandenen Strukturen laufen.

Hintergrund ist die Finanzlage der Stadt

Die ungewöhnlich große private Förderung hängt unmittelbar mit der angespannten Haushaltslage Kölns zusammen.

Eigentlich sollte das frühere Schauspiel-Depot im Carlswerk in Mülheim nach dem Rückzug des Schauspiels weiter als Kulturstandort mit einer starken Rolle für die freie Szene betrieben werden.

Diese Pläne kann die Stadt in ihrer bisherigen Form finanziell nicht halten.

Apiro Entertainment, an der Frank Blase beteiligt ist, soll deshalb ab der Spielzeit 2027/28 den Mietvertrag für beide Depot-Hallen übernehmen. Depot 1 wird stärker als Musical- und Unterhaltungsspielstätte genutzt. Auch Depot 2 wird künftig privat betrieben.

Für die freie Szene verspricht Blase dort 15 Spieltermine pro Jahr, inklusive Technik und Personal.

Die Veränderung wird nicht nur positiv gesehen

So groß die finanzielle Zusage ist: Innerhalb der freien Kulturszene gibt es auch Kritik an der Entwicklung.

Vertreter der freien Tanz- und Theaterszene kritisieren insbesondere, dass sich die Stadt aus einem ursprünglich öffentlich gedachten Kulturstandort zurückzieht. Der Verein Darstellende Künste und das Kölner Kulturnetz bezeichneten die Aufgabe des bisherigen Modells als „kulturpolitisch fatales Signal“.

Damit hat die Geschichte zwei Seiten.

Auf der einen stehen zehn Millionen Euro zusätzliche Förderung und die Aussicht, dass der Kulturstandort Depot weiter genutzt wird. Auf der anderen steht die grundsätzliche Frage, wie abhängig öffentliche Kulturangebote von privaten Geldgebern werden sollten, wenn eine Stadt ihre Finanzierung nicht mehr gewährleisten kann.

Zum Vergleich: Die Stadt Köln nahm 2024 insgesamt rund 770.000 Euro Sponsoring ein. Blases angekündigte Förderung für die freie Szene allein beträgt eine Million Euro pro Jahr.

Finanziell ist das eine außergewöhnliche Zusage. Kulturpolitisch dürfte über das neue Modell trotzdem noch länger diskutiert werden.

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