Warnstreik beim Kinofest: Warum im Cinedom das Popcorn ausblieb
Eigentlich sollte das Kinofest am Wochenende vor allem eines sein: günstig ins Kino gehen. Am 12. und 13. September kosteten die Vorstellungen im Kölner Cinedom unabhängig von Film und Platz nur fünf Euro.
Am Samstagnachmittag kam allerdings etwas dazwischen: ein Warnstreik.
Die Gewerkschaft ver.di hatte die Mitarbeiter des Cinedoms zum Arbeitskampf aufgerufen. Ab etwa 15.30 Uhr blieben die Snack- und Verkaufstheken geschlossen. Die Filme selbst liefen weiter, Tickets konnten online oder an Automaten gekauft werden. Popcorn, Getränke und andere Snacks waren zeitweise allerdings nicht erhältlich.
Worum geht es im Tarifstreit?
Hinter dem ungewöhnlichen Kinobesuch steckt ein schon länger laufender Konflikt zwischen ver.di und dem Cinedom.
Bereits im Sommer waren die Tarifverhandlungen für die knapp 100 Mitarbeiter festgefahren. Ver.di kritisiert geplante Veränderungen am Tarifvertrag und spricht von dauerhaften Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaft verweist außerdem auf die Bezahlung: Nach ihrer Darstellung liegen viele Mitarbeiter derzeit lediglich beim gesetzlichen Mindestlohn.
Der beträgt seit Januar 2026 13,90 Euro brutto pro Stunde. Eine aktuelle Stellenausschreibung des Cinedoms nennt für Servicekräfte ebenfalls einen Einstieg ab 13,90 Euro.
Der Cinedom widerspricht der Darstellung, er wolle seine Mitarbeiter grundsätzlich schlechterstellen. Geschäftsführer Holger Pfaff erklärte bereits nach früheren Arbeitskampfmaßnahmen, das Unternehmen habe ein Angebot mit Lohnsteigerungen von bis zu zwölf Prozent vorgelegt. Nach Darstellung des Cinedoms liege dieses über jüngsten Tarifabschlüssen anderer Kinobetreiber.
Warum ausgerechnet beim Kinofest?
Genau hier beginnt die eigentliche Diskussion.
Aus Sicht einer Gewerkschaft muss ein Streik spürbar sein, damit wirtschaftlicher Druck entsteht. Ein Wochenende mit besonders vielen Besuchern bietet dafür naturgemäß einen wirksamen Zeitpunkt.
Für Familien, die einfach einen günstigen Kinotag geplant hatten, sah die Sache anders aus. Sie waren plötzlich unmittelbar von einem Tarifkonflikt betroffen, mit dem sie selbst nichts zu tun haben.
Und damit wird aus einem Streit um Löhne und Arbeitsbedingungen eine Frage, die weit über den Cinedom hinausgeht:
Wie viel Verständnis hat man für einen Streik, wenn man selbst davon betroffen ist?
Genau darüber haben wir heute im Kölschen Morgen diskutiert.
