Köln zeigt sich nach Angriff auf Berliner CSD tief betroffen

Ein leuchtender Regenbogen überspannt nachts den Rhein vor dem Kölner Dom.
Ein Regenbogen über dem Rhein während der ColognePride 2024. Archivfoto. © Superbass / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der Anschlag beim Berliner Christopher Street Day hat auch in Köln große Bestürzung ausgelöst. Vertreter der queeren Community, Politiker und Musiker bekunden ihre Solidarität mit den Opfern, ihren Angehörigen und dem Berliner CSD.

Am Samstagabend war ein Kleinbus am Rand der Veranstaltung im Berliner Tiergarten in eine Menschenmenge gefahren. Eine Frau wurde getötet, nach aktuellem Stand wurden 29 weitere Menschen verletzt. Der Tatverdächtige soll anschließend auch mit einer Stichwaffe auf Menschen losgegangen sein.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die Tat als islamistischen Terroranschlag. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Der 21 Jahre alte Tatverdächtige wurde am Sonntagabend in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau gefunden. Nach Angaben der Polizei lief er mit einer Stichwaffe auf die Einsatzkräfte zu und wurde von Polizisten erschossen.

ColognePride steht an der Seite Berlins

ColognePride reagierte kurz nach dem Abbruch des Berliner CSD. Die Vorgänge hätten den Kölner Verein zutiefst schockiert. Die Gedanken seien bei den Opfern und ihren Angehörigen.

Der Verein erklärte, man stehe mit der Berliner Community und dem Organisationsteam des CSD „in tiefer Solidarität und Betroffenheit Seite an Seite“.

Die Tat trifft Köln auch deshalb besonders, weil die Stadt Anfang Juli selbst einen der größten Christopher Street Days Europas gefeiert hatte. Rund 1,5 Millionen Besucher setzten dabei nach Angaben des Veranstalters friedlich ein Zeichen für Vielfalt und gleiche Rechte.

Oberbürgermeister Burmester: Angriff auf Freiheit und Vielfalt

Oberbürgermeister Torsten Burmester bezeichnete die Tat als Angriff auf die Werte, für die der CSD stehe: Freiheit, Vielfalt, Respekt und ein friedliches Zusammenleben.

Köln stehe fest an der Seite der queeren Community. Als Stadt der Vielfalt werde man weiter dafür eintreten, dass jeder Mensch unabhängig von seiner sexuellen Orientierung frei, sicher und ohne Angst leben und feiern könne.

Planschemalöör reagiert mit kurzem Song

Auch aus der kölschen Musikszene kommt eine Reaktion. Planschemalöör veröffentlichte ein kurzes musikalisches Reel zum Anschlag. Die Kölner Band, die sich seit Jahren öffentlich für Vielfalt und gegen Ausgrenzung einsetzt, verwandelte ihre Botschaft damit in einen kurzen Song.

Das Reel zeigt, dass die Anteilnahme in Köln nicht nur aus der Politik und von Organisationen kommt. Auch die kölsche Kulturszene nutzt ihre Reichweite, um Solidarität zu zeigen und sich gegen Hass auf queere Menschen zu stellen. (Planschemalöör auf Instagram)

Sven Lehmann warnt vor Instrumentalisierung

Der Kölner Bundestagsabgeordnete Sven Lehmann mahnte zu Besonnenheit. Er kritisierte, dass bereits kurz nach der Tat mit politischen Schuldzuweisungen begonnen worden sei.

Sowohl Islamismus als auch Rechtsextremismus stellten eine Gefahr für queere Menschen dar. Entscheidend sei nun, die Tat vollständig aufzuklären sowie Schutz und Prävention zu stärken. Die Community müsse außerdem Raum zum Trauern bekommen.

Der Kölner SPD-Politiker Karl Lauterbach bezeichnete den Anschlag als feiges Verbrechen und als Angriff auf die freie Gesellschaft. Sein Mitgefühl gelte den Opfern, ihren Freunden und Familien.

Köln gedenkt der Opfer

Am Sonntagnachmittag wurde auf dem Rudolfplatz zu einer Mahnwache aufgerufen. Kölner sollten Kerzen und Regenbogenflaggen mitbringen und gemeinsam ein friedliches Zeichen gegen Angst und Hass setzen.

Die Queere Kirche Köln lud außerdem zu einem Gedenkgottesdienst in die St.-Johannes-Kirche in Deutz ein. Der Gottesdienst sollte Raum für Trauer, Wut, Angst und Fassungslosigkeit geben.

Die zahlreichen Reaktionen zeigen: Köln berichtet nicht nur über das Geschehen in Berlin. Die Stadt trauert mit den Opfern und stellt sich gemeinsam mit der Berliner Community gegen Hass, Gewalt und Einschüchterung.

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